Einsamkeit in Führungsetagen
Einsamkeit in Führungspositionen hat nichts mit fehlenden Menschen im Umfeld zu tun.
Sie beginnt damit, dass man sehr genau weiß, was man wo sagen darf und was besser nicht.
Wer "oben" entscheidet, führt viele Gespräche.
Trotzdem gibt es Gedanken, die keinen passenden Adressaten haben.
Im Team wird daraus schnell ein Signal.
Zu Hause wird daraus eine Last.
Im Freundeskreis fehlt oft der Rahmen, weil Vertraulichkeit nicht verhandelbar ist und die Zusammenhänge zu komplex sind.
Selbst unter Peers bleibt manches unausgesprochen, weil Rollen und Interessen immer mit im Raum stehen.
So wird vieles innerlich erledigt.
Man nimmt es mit nach Hause, ohne es nach Hause zu bringen.
Man fährt, telefoniert, funktioniert, sitzt im nächsten Termin und merkt, dass der Kopf eigentlich noch beim letzten ist.
Nach außen wirkt es souverän. Innen kostet es Kraft.
Im M&A sehen wir das täglich.
Unternehmer, Führungspersönlichkeiten, Entscheider.
Menschen, die gewohnt sind, Verantwortung zu tragen, auch dann, wenn es unbequem wird.
Verkauf, Zukauf, Nachfolge, Trennung, Neuausrichtung.
In solchen Phasen ist Diskretion die Basis.
Genau deshalb landen diese Gespräche und Gedanken oftmals bei uns.
Es sind keine großen Geständnisse.
Eher präzise Beobachtungen.
Das man kaum noch frei denkt, ohne sofort die Folgen mitzudenken.
Das man sich in Meetings selbst zuhört und merkt, wie kontrolliert man geworden ist.
Das man nicht mehr weiß, wann man zuletzt etwas ausgesprochen hat, bevor es vollständig ausformuliert war.
Das man nachts aufwacht und die gleichen drei Themen wieder anfängt zu sortieren.
Neben Zahlen, Struktur und Timing gibt es fast immer diese zweite Spur, die mitentscheidet.
Loyalität gegenüber Menschen, die man mitzieht.
Verantwortung für Teams, die man schützen möchte.
Zweifel, die man nicht zeigen will, weil sie sofort bewertet werden.
Müdigkeit, die man überspielt, weil es gerade keine Alternative gibt.
Irgendwann dieser ruhige Satz "Ich kann darüber mit niemandem sprechen".
Erfolg macht einsam.
Als Nebenwirkung von Sichtbarkeit, Macht, Verantwortung.
Je weiter oben, desto kleiner wird der Kreis, in dem man ungeschützt sprechen darf.
Je länger das so geht, desto normaler wird das Schweigen.
Ich möchte, dass dieses Thema einen Platz bekommt.
Als Realität, die in Führung immer wieder vorkommt.
Weil es Entscheidungen beeinflusst, oft stärker als man denkt. Tempo. Klarheit. Konsequenz.
Weil es einen Unterschied macht, ob jemand Gedanken einmal aussprechen darf, bevor sie sich verhärten.
Wir begleiten im M&A Bereich nicht nur Transaktionen.
Wir begleiten Menschen durch Entscheidungen, die Leben verändern.
Das Menschliche läuft dabei immer mit, ob man es anspricht oder nicht.
Wir sprechen es an. Wir halten es aus. Wir halten es diskret.
Manchmal reicht ein Gespräch, in dem ein Gedanke einmal nicht strategisch sein muss, sondern einfach wahr und manchmal verändert genau das, wie der nächste Schritt möglich wird.
