One size fits all M&A Berater
Es gibt ihn nicht DEN M&A-Berater. Oder doch?
„Ich habe schlechte Erfahrungen mit M&A-Beratern gemacht.“ Diesen Satz höre ich hin und wieder bei Mandanten und denke mir in Momenten der Ruhe: War es wirklich der Berater oder einfach der "falsche" Mensch an der falschen Stelle?
Den „einen M&A-Berater“ gibt es meiner Ansicht definitiv nicht. Manche bringen ihre Skills aus dem Finanzbereich ein, sind exzellent in Modellierungen und Bewertungen, aber schwach in Kommunikation. Andere haben juristische Expertise und ein feines Gespür für Vertragsdetails, aber wenig Gefühl für die Stimmung im Raum. Es gibt Strategen, die groß denken und Praktiker, die dafür sorgen, dass es läuft. Es gibt brillante Verhandler, die Preise nach oben ziehen, aber keine Geduld für die Worte zwischen den Zeilen haben und es gibt die, die zuhören können oder eben nicht. Diese Aufzählungen können endlos fortgeführt werden...
Kurz gesagt: M&A-Berater haben fachliche und persönliche Stärken. Und leider haben sie auch Schwächen. Genau deshalb will es manchmal zwischen Unternehmer und Berater einfach nicht passen. Weil die Chemie fehlt, weil Erwartungen nicht zu dem passen, was jemand tatsächlich mitbringt. Und weil manchmal einfach nicht der Funke überspringen mag.
Warum aber glauben viele, für jeden Auftrag die Richtigen zu sein? Vielleicht, weil der Auftrag wichtiger erscheint als die Frage nach echter Passung. Vielleicht, weil wir uns selbst einreden, alles zu können während wir privat sehr genau spüren, wie es funktioniert: Beim ersten Telefonat, bei einem Händedruck, bei einem Lächeln, das den Unterschied macht. Dieses Gefühl, verstanden zu werden, kennen wir alle und genauso läuft es auch im Business.
Im Job gilt dasselbe wie im Leben: Es braucht nicht immer den Berater, sondern den passenden. Den, der die Sprache spricht, die verstanden wird.
Darum sollten sich beide Seiten vor Beginn eines Mandats ehrlich fragen: Fühlt es sich richtig an? Sprechen wir dieselbe Sprache, fachlich und menschlich? Können wir uns vorstellen, gemeinsam eine Reise zu machen, mit allen Höhen und Tiefen, bis zum Ziel?
Wenn die Antwort nein ist, ist das kein Scheitern. Es ist oft die klügere Entscheidung. Ein Nein zu einem Auftrag oder einem Berater kann ein Ja zu sich selbst sein und der Startpunkt für eine bessere Lösung. Möglicherweise dann mit einem anderen Berater, einen zusätzlichen Experten oder einen klaren Schnitt, bevor man sich durch einen Prozess quält.
M&A ist eben nicht nur eine Transaktionsberatung. Es ist ein Stück gemeinsamer Weg in einem Prozess. Es lebt von Menschen, von Persönlichkeiten und Vertrauen.
Wer den Mut hat, ehrlich hinzusehen, bei sich selbst und beim Gegenüber, schafft die Basis, dass aus einem Projekt nicht nur ein Abschluss wird, sondern ein Erfolg.
Der "richtige" Berater ist nicht der, der alles kann, sondern der, mit dem man sich zutraut, das Unplanbare gemeinsam zu meistern.
