Warum verkauft jemand sein Unternehmen?

Diese Frage höre ich relativ oft und meine ehrliche Antwort darauf ist: Es kommt darauf an, wem man zuhört…


Da ist zum einen die Geschichte des Unternehmers, der 30 Jahre aufgebaut hat und irgendwann spürt, dass sein Unternehmen etwas oder jemand anderes braucht. Nicht, weil das Unternehmen und das Geschäftsmodell nicht funktioniert, sondern gerade weil es funktioniert. Weil die nächste Phase, ein „next level“, eine andere Kraft, andere Strukturen oder einen anderen Blick braucht…

Daneben sitzt die Generation X, die erkennen, dass sich der Markt verändert hat, die feststellen, dass vielleicht der richtige Zeitpunkt einfach Jetzt ist und nicht erst in zwei Jahren, wenn alle in dieselbe Richtung laufen…

Dann kommen die jungen Gründer. Klug, mutig und schnell. Mit einem funktionierenden Produkt, ersten Kunden, viel Energie aber wenig Kapital, um den nächsten Schritt allein zu gehen…

…Und immer wieder treffe ich Unternehmer, die über Jahrzehnte erfolgreich sind, aber müde. Nicht ansatzweise gescheitert oder ratlos, sondern einfach müde von Verantwortung, Personalthemen, Finanzierung, Risiken, von der ständigen Taktung…

Der Grund für den angedachten Unternehmensverkauf ist zwar jedes Mal anders, aber der Moment ist ähnlich, weil immer irgendwann die Frage im Raum steht: Halte ich weiter fest oder lasse ich los, damit etwas anderes entstehen kann?

Diese Frage klingt auf den ersten Blick vielleicht recht simpel, ist sie aber ganz und gar nicht.

Ein Unternehmen ist in den allermeisten Fällen nicht nur ein Vermögenswert. Es ist Geschichte, Arbeit, Risiko, Stolz, manchmal Familie, manchmal sogar Identität.

Meine Arbeit beginnt nicht mit einer Käuferliste. Sie beginnt mit Zuhören.
Warum will jemand wirklich verkaufen?
Was hängt an diesem Unternehmen?
Was ist Substanz, was ist Risiko, was ist Potenzial?
Was braucht dieses Unternehmen für die nächste Phase?
Und welcher Käufer kann genau das leisten?

Für mich ist ein Unternehmensverkauf kein Trade. Es ist ein Match.

Die „richtigen“ Käufer zu finden, die „richtige“ Geschichte zu erzählen und beide Seiten so zusammenzubringen, dass es wirtschaftlich und menschlich passt, das ist der eigentliche Teil meiner Arbeit.

Ich liebe diesen Beruf. Ich mag Zahlen, Märkte, Geschäftsmodelle, Prozesse, rechtliche Themen und Verhandlungen, aber was mich wirklich begeistert ist der Moment, in dem aus einem Verkaufsprozess ein echtes Verständnis entsteht. Für das Unternehmen, für den Unternehmer und für den Käufer.

Meine "Erkenntnis": Manchmal muss man etwas loslassen, damit es weitergehen kann und manchmal ist genau das nicht nur die persönlichste, sondern die unternehmerischste Entscheidung, die man treffen kann.
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