Wem gehört das Handwerk morgen?
Zwischen Käufermarkt und Zukunft des Handwerks
Wie schaut die aktuelle Käuferlandschaft im Handwerk aus?
Wir sehen Verbundgruppen, größere inhabergeführte Gruppen mit mehreren Standorten, etablierte Handwerksunternehmen, die aus dem eigenen Gewerk weiter wachsen wollen, sowie strategische Käufer aus angrenzenden Gewerken oder benachbarten Wertschöpfungsstufen.
Was wir dagegen viel zu selten sehen, sind klassische Nachfolger oder junge Unternehmer, die selbst übernehmen wollen.
In den Gruppen- und Verbundmodelle zeigt sich, wie unterschiedlich die DNA auf Käuferseite ist. Es finden sich beteiligungsgetragene Strukturen ebenso wie inhabergeführte Gruppen oder private Investoren mit operativem Hintergrund, die unterschiedliche Ansätze bei Zukaufsgeschwindigkeit, Erwartungshaltung, Integrationslogik und Führungsverständnis zeigen.
Erkennbar ist zudem, dass sich diese Modelle zwischen Deutschland und der Schweiz unterscheiden.
In der Schweiz sehen wir klar strukturierte Gruppen mit starker Marke, hoher Systematik und klaren Zentralfunktionen.
In Deutschland begegnen uns daneben Modelle, die stärker über Partnerschaft, Wissenstransfer, Austausch, gemeinsame Formate und unternehmerische Eigenständigkeit wachsen.
Beides kann richtig sein, hat Vor- und Nachteile und ist oft Ausdruck unterschiedlicher Markt- und Länderlogiken.
Der Zukaufsmarkt der Gruppen entwickelt sich dynamisch und verläuft offensiv, mit hohem Tempo und breiter regionaler Ausdehnung.
Viele Handwerksbetriebe sind längst unbemerkt Teil einer Gruppenstruktur und treten weiter unter Ihrem Namen wie klassische selbständige Handwerksunternehmen auf.
Fast alle Käufer suchen in der Regel erst ab einer gewissen wirtschaftlichen Größe. Unternehmen in diesem Scope erhalten viele Verkaufsanfragen und werden daher stark umworben.
Mit etwas Sorge schauen wir allerdings gleichzeitig auf die kleineren Handwerksbetriebe, die aus dem Raster vieler Käufer herausfallen und es im Markt zunehmend schwerer haben, an Aufträge zu kommen.
Gerade hier kann es aus Käufersicht sinnvoll sein, regional kleinere Betriebe gezielt zu bündeln und zu integrieren, nicht um der Größe willen, sondern um Substanz zu sichern, Kompetenzen zusammenzuführen und zukunftsfähige Strukturen aufzubauen.
Aus unserer M&A-Sicht reicht es deshalb nicht, nur zu fragen, wer kaufen kann und wer verkaufen will.
Entscheidend ist, wie ein Käufer denkt, wie er führt, was er mit dem Betrieb entwickeln will und in welchem Modell sich ein verkaufender Handwerksunternehmer mit Blick auf Mitarbeiter, Kunden und Zukunft wirklich gut aufgehoben fühlt.
Nicht jeder Käufer ist deshalb für jedes Handwerksunternehmen die richtige Lösung.
Für uns beginnt hier die eigentliche Arbeit. Den Markt, die Hintergründe und Zielbilder auf Käuferseite zu verstehen und zugleich die Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen auf Verkäuferseite ernst zu nehmen. Nicht irgendeine Transaktion zu ermöglichen, sondern Lösungen vorzubereiten, die strategisch durchdacht und menschlich wie unternehmerisch tragfähig sind.
